"Grenzort" Herchweiler


                                     

Am 27. Mai 2003 hat die jahrelange Trennung von Herchweiler in einen pfälzischen und einen saarländischen Teil sein Ende gefunden. Mittels eines Staatsvertrages ermöglichten die Bundesländer Rheinland-Pfalz und das Saarland, vertreten durch Herrn Beck (Rhld-Pf.) und Herrn Müller (Saarl.), die Zugehörigkeit der Gass zu Herchweiler.  

Im Anschluss finden Sie zwei Texte, die die "Teilungssituation" in Herchweiler im geschichtlichen Kontext erläutern.


Herchweiler in alten Grenzbeschreibungen

des Remigiuslandes

VON HELMUT WEYRICH

"Die heutige Grenze zwischen den Ländern Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die die Gemeinde Herchweiler und den Haupersweiler Ortsteil "In der Gass" voneinander trennen, ist allen Einwohnern hinreichend bekannt. Jedoch können nur noch die älteren Bewohner im Dorf von der Grenze aus bayrischer und preussischer Zeit etwas erzählen. Damit aber ist das Wissen um die Grenzziehung schon ziemlich erschöpft. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt uns, daß sich diese Grenze bis weit vor das Mittelalter zurückverfolgen läßt.

Die Gemarkung des heutigen Ortes Herchweiler gehörte in ihrer Gänze zum Nahegau, dessen Westgrenze zwischen Niederkirchen und St. Wendel in nord-nordwestlicher Richtung verlief. Die Vermutung, daß Herchweiler nicht durch den Vertrag von Verdun 843 geteilt wurde, sondern bereits damals in seiner Gänze zum Ostreich geschlagen wurde, erwiesen sich als richtig. Die Verträge von Meerssen und Ribémont verlagern die Grenze des Ostreiches weiter nach Westen und kommen somit hier nicht in Betracht.

Schon in früherer Zeit aber muß eine Gebietsteilung erfolgt sein, die die heutige Gemarkung von Herchweiler durchschnitt. Der östliche Teil von Herchweiler (Rheinl.-Pfälz. Teil) gelangte als angebliche Schenkung des Königs Chlodwig an die Bischofskirche von Reims, von dieser an die Abtei Saint Remi in Reims, die den ausgedehnten Besitz in Kusel und Altenglan bis zur Reformationszeit halten konnte; damals wurden die ausgedehnten Ländereien an die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken als Nachfolger der Grafen von Veldenz als Schirmvögte verkauft. Dieses sogenannte Remigiusland gehörte zu den ausgedehnten Reichsgutwaldungen der Fränkischen Landnahmezeit, wozu ebenfalls das im Südosten sich nahtlos anschließende Reichsland Kaiserslautern wie auch die Besitzungen um St. Wendel, Wolfersweiler und Baumholder gehörten. Königliche Schenkungen griffen diesen Bestand vom Rande her an.

So dürften die genannten Gebiete um St. Wendel, Wolfersweiler und Baumholder ausgangs des 6. Jahrhunderts (zwischen 575 und 595) an die Kirche von Verdun gelangt sein. Zu einem späteren Zeitpunkt veräußerte der damalige König das Remigiusland, vermutlich zu Lebzeiten des 590 verstorbenen Bischofs Ägidius von Reims. In der Zeit zwischen beiden Vergabungen, d. h. zwischen 575 und 590, wohl näher bei 590, wurde das Gebiet um Oberkirchen mit dem westlichen Teil der Gemarkung von Herchweiler ( Saarl. Teil) aus königlichem Besitz verschenkt. Dieser Schenker bleibt unbekannt. Tholeyer Urkunden aus dem 13. Jahrhundert sowie Beurkundungen zugunsten der Salvatorkirche in Frankfurt aus dem 9. Jahrhundert führen uns nicht nahe genug an diese Schenkungszeit heran, um den Beschenkten zu ermitteln. Er kann, muß aber nicht mit den zuvor genannten Kirchen übereinstimmen. Es darf noch erwähnt werden, daß auch die Kirche in Reims in den genannten Orten Besitzungen hatte, was aber nicht besagt, daß sie dort geschlossenen Territorialbesitz wie im angrenzenden Remigiusland hatte. Der Grenzverlauf blieb in der Folgezeit bis heute bestehen, die Geschichte der jeweiligen Vogtei bzw. Oberhoheit der Grafen von Veldenz, sodann der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken auf der einen, der Herzöge von Lothringen schließlich auf der anderen Seite ist an anderer Stelle hinreichend beschrieben.

Die eigentlichen Grenzen des Remigiuslandes wurden bisher nur durch mündliche Überlieferungen festgehalten. Erstmals im Jahre 1330 taucht der "Mons Lapidis" Steinberg (nordöstlich von Herchweiler?) als einer der Grenzpunkte des Lauterer Reiches auf.

Herchweiler gehörte ab 1444 zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, Oberamt Lichtenberg, Unteramt Konken.

Ein Teil des Remigius- bzw. Reichslandes wurde das "Königreich" genannt. In einem Kauf- vertrag von 1491 verkaufte Thomas von Contwig, Amtmann zu Lichtenberg und Else von Lichtenberg an den Grafen Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken ihr Eigentum, "das Königkriche" genannt. Der Bezirk des Königreiches wird in der Verkaufsurkunde so angegeben: "Item zum ersten zu Herchwiler uff dem Liede, darnach zu Selchenbach ussen, zuschent den zweien Holdern ist vermarckt..." die Beschreibung der Grenze geht weiter wie auf der folgenden Karte eingezeichnet, bis sich der Kreis wieder schließt.

Im Kuseler Landgerichtsweistum vom 6. Oktober 1541 wird die Grenze erstmals genauer beschrieben. Hier nur der Auszug Herchweiler betreffend: ..Von dannen die Bach (Oster), von dannen die Bach (Selchenbach), heruf bis gen Herchweiler, von Herchweiler die Bach heruf (Judenbach) bis uff Marbachers Wiergin (Marbachs Weiher) scheidt das Bechelgin (Bächelchen) unseres Herrn Gericht, Lothringen und Obersteinisch.....

1588 wird die Grenze von Johannes Hofmann, Pfalzgräflicher Zweibrücker Diener und Geographikus, genau beschrieben: ... Vom Einfluß der Herchweiler Bach in die Oster an welchem das Dorf Seitzweiler zur linken Hand nicht über 300 Schuh oder 20 Ruten abliegt, verlasset das hohe Gericht die Oster und folget fortan der Herchweiler Bach hinauf bis an die Flußglam, diese fällt zur rechten Hand in die Herchweiler Bach herunter und hält die Scheide zwischen den Dörfen Brück (Osterbrücken) und Herchweiler, dieser Strich ist lang 1863 Schuh, das sind 124 Ruten und 3 Schuh.... Von gedachter Flußglam an erstreckt sich die Grenze nach als dem Herchweiler Bach hinauf bis an den Ort, da der Wald Vollmerstall genannt zur rechten Hand hinunter auf die erwähnte Scheidsbach rühret, in dieser Länge sind 1615 Schuh, die machen 107 Ruten und 10 Schuh. Ferner von dem Ort da der Wald Vollmerstall auf die Scheidebach stößt, erstreckt sich das Landweißthumb fortan als nach der Herchweiler Bach neben dem Walde Vollmerstall der zur rechten Hand daran lieget hinauf bis zu seinem End und folgens hin bis zu einem kleinen Flüßchen das vom Dorf Herchweiler herunter in diese läuft, diese Länge hält in sich 654 Schuh oder 43 Ruten und 9 Schuh und scheidet dieser Strich Herchweiler gleich wie Grügelborn zum halben Teil voneinander. Fortan scheidet die große Herchweiler Bach die Herrlichkeit nicht mehr, sondern das Hochgericht gehet aus dieser dem kleinen Bächelchen nach hinauf mitten durch das Dorf Herchweiler, diese Länge macht 547 Schuh oder 39 Ruten und 7 Schuh. Der jetzt erwähnte Strich teilet des Dorf Herchweiler in zwei unterschiedliche Hochgerichtsherrlichkeiten, dann der eine Teil so zur rechten Hand bleibt gehört in das Ambt Lichtenberg, der übrig Teil ist Lothringisch und gehöret in des Oberkircher Gericht, es wird auch mit den Dörfern Haupersweiler und Seitzweiler für eine Gemein gerechnet. Die große Herchweiler Bach kommt oben vom Dorf Selchen- bach herunter und fließt von dem Dorf Herchweiler und dann angezeigtermaßen hinunter in die Oster.

In ofterwähntem Dorf Herchweiler haben die Bauern welche zur linken Hand des Scheideflußes auf Lothringischem Boden wohnen vor etlichen Jahren Neuerungen angefangen, demselben Scheidefluß seinen alten Lauf, so von Alters her ums äußere Dorf geflossen zu verstopfen und es baß hinunter zur rechten Hand treiben lassen und also die alte Scheide zur rechten Hand verrücken und irrig machen wollen, man hat ihnen aber mitnichten gestattet, sondern ist alsbald zugefahren, den Damm weggerissen und dem Flüßlein alten Gebrauch und Herkommen nach seinen rechten Lauf wieder eröffnet. Ferner erstreckt sich die abgesondert Hoheit aus dem Dorf Herchweiler demselben Bächelchen, welches nun fortan hinauf die Marbach genannt wird, hinauf auf den Grundzapfen des Marbacher Weiherchens, dieser Strich vermag in seinen Längen 2564 Schuh die tun 170 Ruten und 14 Schuh. Von gemeldeten Grundzapfen des Marbachs- weihers streichet fortan die Grenze durch denselben Weiher hinauf und ferner dem Flüßlein nach hinauf bis zu einem Apfelbaum, an welchem der Herchweiler Bann aufhöret und gehet fortan des Dorf Schwarzerden Gemark an, zur linken Hand bleibt noch der Herchweiler halbe Beriss...

Bei diesen von Johannes Hofmann sorgfältig durchgeführten Grenzbeschreibungen wurden ...allenthalben die Ältesten und Geschicktesten genommen, welche die Örter, Umstände und alle Gelegenheiten am besten gewußt und dieselbe wahrhaftig berichten konnten, wie sie dasselbige von ihren Eltern gehöret und empfangen haben, daß sie auch niemand zu Lieb oder Leid etwas ab oder zuweisen, anders als sie mit Wahrheit berichten und bezeugen können....

An dem alten Grenzverlauf hat sich bis heute kaum etwas verändert.

Nach der Napoleonzeit stand Herchweiler zuerst unter Österreichisch/Bayerischer Verwaltung, danach unter bayerischer Verwaltung bis 1945.

Haupersweiler und damit auch die heutige Strasse "In der Gass" gehörte im Jahre

1128 zur Abtei Disibodenberg

1261 zur Abtei Tholey

1274 gräflich lothringisch

1278 herzoglich lothringisch

1766 französich, (Oberes Amt Schaumberg)

1781 Von der Leyen (Herrschaft Oberkirchen)

1798 Französich, Mairie Oberkirchen, Kanton St.Wendel

1816 Sachsen-Coburg, Bürgermeisterei St.Wendel Land

1834 Preussen

1935 Rückgliederung des Saargebietes ins Deutsche Reich, Landkreis Birkenfeld

1945 19. März, Amerikanische Besatzung

1945 10. Juli, Französiche Besatzung

1957 01.01. politische Rückgliederung des Saarlandes in die BRD

1959 05./06. Juli Tag "X", wirtschaftliche Eingliederung des Saarlandes in die BRD

1947 24. Juni, Saarland"

Quellen: Aus der Geschichte des Kreises St. Wendel und seiner einzelnen Gemeinden, zusammengestellt von Heinrich Michel, AZA 3139

Antwortschreiben des Archivdirektors Dr. Debus, Landesarchiv Speyer an den Verfasser vom 01.Juni 1992 (Grenzen des Remigiuslandes)

Wolfgang Kleinschmidt; Westrichkalender 1966, Seite 108 ff. Herchweiler i.O. - ein zweigeteiltes Dorf, zur Geschichte seiner Grenze

Berthold Stoll; Westricher Heimatblätter 1974 Nr. 3 ff. Das obere Ostertal.

Kopie des Kuseler Landgerichtsweistums Anno 1599

Kreisarchiv Kusel / Kopie von Otto Lißmann, Original im BayHStA München, Kasten blau 390/4 I

Wilhelm Fabricius; Die Grafschaft Veldenz, MHVP, 1913

Bantelmann Niels; Urgeschichte des Landkreises Kusel, Seite 8 ff  Speyer 1972

Kurt Hoppstädter; Zeitschrift zur Geschichte der Saargegend, 1960/61 Seite 162 - 166

Das Königreich im Ostertal - Ein Beitrag zur Festlegung der Grenzen des Reichslandes bei Kaiserslautern .


Herchweiler i. O. -

ein zwei geteiltes Dorf

Zur Geschichte seiner Grenze

VON WOLFGANG KLEINSCHMIDT

"Für viele Bewohner des Kreisgebietes, die Herchweiler selbst nicht kennen, verbindet sich mit dem Hören des Dorfnamens das Wissen um die Grenze mitten durch unser Dorf. Viele erinnern sich dann auch noch der lustigen Geschichte, die nach 1945, also nach der Saarabtrennung die Zeitungsspalten füllte, der Geschichte von den Kühen, die in dem Stall, durch den die Grenze verläuft, im Saarland gefüttert wurden und im pfälzischen Teil ihre Milch gaben.

Die älteren Bewohner Herchweilers, auch die der umliegenden Dörfer, können auch noch von preußischer und bayerischer Zeit erzählen. Damit aber ist das geschichtliche Wissen um diese Grenze weitgehend erschöpft.

Wir erachten es daher für wichtig, einmal einen Blick auf die Geschichte dieser etwas unnatürlich anmutenden Grenze zu werfen und sie in großen Zügen hier aufzuzeigen. Bis ins frühe Mittelalter läßt sich die Grenze durch Herchweiler nachweisen. Um dies aufzuzeigen müssen wir etwas weiter ausholen.

In frühester Zeit gehörte das Land um Kusel, das sog. Remigiusland, zum Bistum Reims. Durch die Verträge von Verdun (843) und Mersen (870) fällt das Remigiusland an Deutschland, obwohl die Mutterkirche Reims bei Frankreich verbleibt; es ist also eine französische Enklave auf deutschem Boden. Die Reimser Kirche war deshalb stets darauf bedacht, sich jeweils bei der Neuwahl eines deutschen Königs ihren Besitz bestätigen zu lassen. So erneuerten Otto I. (965 zu Ingelheim), Otto II. und Otto III. (letzterer 993 zu Diedenhofen) und Heinrich II (1002 zu Aachen) die Besitzurkunde, sowie die damit verbundenen Rechte, beispielsweise Steuer- und Gerichtsfreiheit.

Auch Konrad III (1138 zu Köln) und Friedrich Rotbart (1152 zu Aachen) bestätigten den Besitz. Dies war um so nötiger, als das kirchliche Besitztum immer zahlreicheren Bedrängnissen von weltlicher Seite her ausgesetzt war. So werden schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts die Grafen von Veldenz als Vögte über die Propstei auf dem Remigiusberg genannt.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut Graf Gerlach von Veldenz Burg Lichtenberg widerrechtlich auf fremdem Boden. Nach einer auf dem Reichstag zu Basel ergangenen Verfügung vom 12. 11. 1214 muß er die Burg wieder abreißen. Das Urteil wird nie ausgeführt.

Es ist einerseits anzunehmen, daß eine gütliche Einigung mit Reims erfolgte, andererseits aber die Macht des deutschen Königs in der Zeit des sich schon abzeichnenden Interregnums, der kaiserlosen Zeit, soweit geschwunden war, daß er diesem, seinem Beschluß, die Burg schleifen zu lassen, nicht mehr den nötigen Nachdruck verleihen konnte. 1444 fällt die Grafschaft Veldenz durch Heirat der letzten Veldenzerin Anna mit Stephan von Zweibrücken-Simmern an das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Im Weistum von Kusel (von 1444) wird der Graf von Veldenz, damit ist nunmehr Pfalzgraf Stephan gemeint, als oberster Fürst und Richter in Sankt Remigiusland, mit allen sich daraus ergebenden Rechten, bezeichnet.

Die Grenze des Remigiuslandes wurde bisher durch die mündliche Überlieferung festgehalten.

1541 wird nun diese Grenze auch schriftlich fixiert (im Weistum des Landgerichts von Kusel vom 6. Oktober 1541).

Wir geben hier nur die für uns wichtige Passage des Weistums wieder, um aufzuzeigen, daß der heute saarländische Teil des Dorfes, die sog. Judengasse nicht zum Remigiusland gehörte.

,> . . von dannen bis in die Bach (Oster) von dannen die Bach (Selchenbach) heruf bis gen Herchweiler, von Herchweiler die Bach heruf (Judenbach) die durch Herchweiler laufft bis auf Mardipachers Wiergin, (Flur Marbach, heute Schwarzerden) scheidt das Bechelgin unseres gnädigen Herrn Gericht, Lothringen und Obersteinisch, . . .

Johannes Hoffmann (Gründliche und wahrhaftige Beschreibung des Ambts Lichtenberg 1585 - 1588) zeigt uns die Grenze für heutige Begriffe noch etwas klarer: " . . mit dem Grossenbornfluß am Hochwinkelsborn vorbei in die Oster, die Oster aufwärts bis zur Herchweiler Bach (heute Selchenbach) die gegenüber dem Dorf Seitzweiler mündet, diesen Bach unterhalb des Vollmersthaler Waldes hin aufwärts bis zum Dorf Herchweiler und im selben Bächlein, das nun den Namen Marbach annimmt( heute Judenbach) durch einen Weiher, bei dem die Gemarkung Schwarzerden anfängt (rechts) und bis zum Ende des Marbacher Wiesengrundes, wo die Gemarkung Oberkirchen (links) angrenzt . . ." An dieser Grenze hat sich bis auf den heutigen Tag nichts geändert. Herchweilers Zugehörigkeit zum Remigiusland und zur Grafschaft Veldenz sollte also nachgewiesen sein. Zum Zeitpunkt der Ausstellung des Weistums von 1541, ebenso zu Hoffmanns Zeiten, gehört es im "Conker Ambt" zum Oberamt Lichtenberg und damit zu Pfalz-Zweibrücken, während das jenseitige Land, die Herrschaft Oberkirchen seit 1261 zum Herzogtum Lothringen, und zwar zum Oberen Amt Schaumberg, gerechnet wird.

Darüberhinaus besaßen die Grafen von Dhaun-Oberstein seit 1432 in der Herrschaft Oberkirchen grundherrliche Rechte und die niedere Gerichtsbarkeit als lothringisches Lehen.

Wir dürfen kaum annehmen, daß die heutige Judengasse schon bestanden hat, so daß wir nicht von einer Zweiteilung des Dorfes sprechen können.

1781 hören wir wieder von der Herrschaft Oberkirchen, als die Grafen von der Leyen (mit Sitz in Blieskastel) die Herrschaft Oberkirchen, immer noch ein Teil des lothringischen Oberen Amtes Schaumberg, durch Tausch erwerben.

Die hohe und mittlere Gerichtsbarkeit wird in den darauffolgenden Jahren 1783 und 1784 noch dazugekauft, als die Grafen Philipp Daniel und Friedrich Franz Erwin von der Leyen die Oberschultheißerei Oberkirchen, bestehend aus den Ortschaften Oberkirchen, Haupersweiler, Herchweiler (damit ist nun der heute saarl. Teil des Dorfes gemeint, inzwischen wohl besiedelt, vermutl. von Juden, die sich hier - die Gründe sind uns noch nicht bekannt - auf der Grenze niedergelassen haben.) Seitzweiler, Grügelborn, Blesenbach, Reitscheid und den Hirschhäuser Bann um 20 500 Gulden von den Leiningen-Heidesheimischen Erbinnen erwerben.

An der politischen Zugehörigkeit des heute pfälz. Ortsteils zum Herzogtum Zweibrücken hat sich in der Zwischenzeit nichts geändert.

Die Grafen von der Leyen können sich ihres neuerworbenen Besitzes nicht lange erfreuen.

In den französischen Revolutionskriegen ab 1792 fällt das gesamte linke Rheinufer an Frankreich. Im Friede von Luneville 1801 bestätigen die Großmächte die Annexion. Zum ersten Male finden wir nun beide Ortsteile im Departement Sarre vereinigt, allerdings wird Haupersweiler (wozu die Judengasse gehörte) der Bürgermeisterei Kirchen le haut (Oberkirchen) im Canton St. Wendel und arrondissement Sarrebruck (Saarbrücken) zugeteilt, während Herchweiler nunmehr ein Bestandteil der Bürgermeisterei Bourglichtenberg im Canton Kusel und arrondissement Birkenfeld wird.

Diese Verwaltungseinteilung besaß rund zwanzig Jahre Gültigkeit.

In den auf den Wiener Kongreß 1815 folgenden Verträgen fällt der größte Teil des Herzogtums Zweibrücken und damit auch Herchweiler mit der Pfalz an Bayern. Der Kreis St. Wendel und damit Haupersweiler, wird dem Herzog von Sachsen-Coburg für seine Verdienste in den Freiheitskriegen zugesprochen.

Am 31. Mai 1834 wird das Coburgische "Fürstentum Lichtenberg" für 2 100 000 Taleran Preußen abgetreten. Aus dem "Fürstentum Lichtenberg" wird der preußische Landkreis St. Wendel.

Nunmehr leben in unserem Dorfe über 100 Jahre, offiziell bis 1945, bayerische und preußische Staatsbürger friedlich nebeneinander. Probleme, an denen beide Seiten interessiert sind, beispielsweise Wasserleitungsbau, Straßenbau usw., werden gütlich geregelt. Kann man sich auf den unteren Verwaltungsebenen nicht einigen, so werden die beiderseitigen vorgesetzten Dienstbehörden, das Königlich Bayerische Landcommissariat in Kusel und das Königlich Preußische Landratsamt in St. Wendel zur Vermittlung angerufen. Im allgemeinen einigt man sich aber zur beiderseitigen Zufriedenheit.

Zu Beginn des Dritten Reiches werden die äußeren Zeichen der Trennung, die gußeisernet? bayerisch-preußischen Grenzpfähle, im Rahmen einer Feier von den zuständigen politischen Formationen entfernt.

Man strebt zu dieser Zeit auch eine Vereinigung der beiden Dorfteile unter dem Namen Herchweiler an, aber der Krieg, der darüber hineinbricht, wirft andere Probleme auf, so daß der Plan zu den Akten gelegt wird.

Nach der Saarabtrennung im Jahre 1947, als die Schlagbäume mitten im Dorf errichtet werden, kommt viel Not aber auch Zwietracht über das Dorf.

Wir wollen hier einmal geschlossene Wunden nicht mehr aufreißen. Außerdem - so glauben wir - haben wir noch nicht den genügenden Abstand gewonnen, um schon heute gerade dieses Kapitel, wohl eines der dunkelsten in der Geschichte dieser Grenze, in den Einzelheiten zu behandeln.

Es geht auch heute nicht ohne Probleme an dieser Grenze. Die beiderseitigen Gemeindeverwaltungen wissen ein Lied davon zu singen.

Es gilt aber nicht nur das Trennende zwischen den beiden Ortsteilen, sondern auch, das Verbindende zu sehen.

Vielleicht werden wir doch eines Tages unseren Kindern und Enkeln einmal sagen; können: Seht ihr, hier verlief einmal eine Grenze!"

Quelle: Landkreis Kusel (Pfalz) (Hrsg.): Westrichkalender 1966. Gerhard Dokter Verlag, Neuwied/Rh: 1965 S. 108-110